Die Märchen von Rotkäppchen, das die Großmutter wortwörtlich aus dem Schlund des bösen Wolfes rettet, oder die hübsche Maid, die 100 Jahre schläft und mit ihr ein ganzes Märchenreich, oder Rapunzel mit den endlose langen Haaren kennt wahrscheinlich jedes Kind. Aber was ist mit dem großen bösen Wolf, der ein schickes Auto fährt, das Mädchen, das nach einer durchtanzten Nacht schlaftrunken ins Bett fällt oder die junge Millionärin, die in einem Hochhaus als reiche Erbin im goldenen Käfig sitzt?
Alte Märchen in die heutige moderne Zeit hineinversetzt. Kann das funktionieren? Und wie! Selbstverständlich ist der Fantasie keine Grenze gesetzt. Aber lesen Sie selbst und lassen Sie sich in die weihnachtliche Zeit entführen.

Ein Weihnachtswunder

Es war einmal eine sehr arme Familie. Der Vater der Familie war schon seit Monaten arbeitslos, deshalb sollte es zu Weihnachten keine Geschenke geben. Der Vater war sehr verzweifelt und die Mutter sehr traurig, denn sie wusste einfach nicht, wie sie es den Kindern sagen sollte. Doch dann kam der 23. Dezember und sie konnten es nicht mehr länger aufschieben.

Als die ganze Familie beim Abendessen zusammen saß, redeten die Kinder über nichts anderes als Weihnachten und was sie sich gewünscht hatten. Die Stimmung war wirklich toll, doch dann sagte die Mutter: „Kinder wir müssen euch etwas gestehen: Dieses Jahr konnten wir keine Geschenke kaufen, weil wir kein Geld mehr haben“. Die Kinder erstarrten und Saskia wollte wissen: „Warum habt ihr uns das denn nicht früher gesagt, jetzt haben wir uns schon so gefreut!“ „Genau“, stammelte Stefan und dann fing er an zu weinen. Nach dem Abendessen gingen die drei Kinder auf ihr Zimmer. Später, nach dem Zähneputzen, schlug Sabrina vor: „Ich habe eine super Idee!“ Sabrina schaute die anderen erwartungsvoll an und meinte: „Wir brauchen gar keine Geschenke von unseren Eltern, wir suchen noch heute Abend das Christkind und fragen es, ob es noch Geschenke für uns und unsere Eltern hat“. Stefan war sofort begeistert und klatschte in die Hände. Die einzige die die sich nicht von der Idee nicht überzeugen ließ, war Saskia, denn sie hatte die Verantwortung und deshalb nahm sie auch eine Taschenlampe mit. Doch Stefan und Sabrina ließen sich nicht aufhalten und liefen mit der zweifelnden Saskia in den Wald, um das Christkind zu suchen. Am Wald angekommen, merkten sie, dass es bereits noch dunkler geworden war. Gott sei Dank hatte Saskia eine Taschenlampe mitgenommen und so suchten sie den Wald ab. Die Kinder schauten hinter Bäumen und Gestrüpp, doch sie fanden es nicht. Doch plötzlich erschien ein Licht am Ende des Waldwegs und wahrhaftig: Es war das Christkind!!! Mit glänzenden Augen erblickten Sabrina, Saskia und Stefan den wundervollen Engel mit blonden Locken, blauen Augen und einem wunderschönen Gesicht. Es trug ein weißes Kleid mit leuchtenden Sternen darauf und es hatte außerdem einen goldenen Heiligenschein und dazu bezaubernde Flügel aus weichen Daunen. Saskia nahm allen Mut zusammen und bat das Christkind um Hilfe: „Liebes Christkind, wir haben uns im Wald verlaufen, kannst du uns zu einer Unterkunft bringen?“ Der Engel führte die Kinder zu einer Jägerhütte und als sie dort ankamen, wisperte der Engel: „Ich werde heute Nacht über euch wachen und euch wärmen.“ Am nächsten Morgen war das Christkind verschwunden, stattdessen weckte sie ein Jäger. Die Kinder erzählten ihm die ganze Geschichte und der Jäger brachte sie zurück nach Hause. Die Eltern, die sich große Sorgen gemacht hatten, waren überglücklich, dass die Kinder wieder zurück waren. Als der Weihnachtsabend kam, standen unter dem Christbaum viele schöne Geschenke für die ganze Familie.

Kurze Zeit später klingelte es an der Haustür. Da stand der Jäger und fragte den Vater: „Ich habe gehört, dass sie arbeitslos sind. Ich brauche noch einen zusätzlichen Jäger und glaube, sie wären der Richtige.“ Doch am Schluss war für die Eltern das allerschönste Weihnachtsgeschenk ihre zurückgekommenen Kinder!

 

Von Valentin Herzberger, 7a