Jonathan Kimbel: Orientierungspraktikum (28.03.-15.04.2011)

Als Student des Lehramts sind verschiedene Praktika notwendig und auch sinnvoll. Ich selber studiere Lehramt für Realschulen in der Kombination Mathematik und evangelische Religionslehre und habe vor Sport als drittes Fach zu belegen.

Da ich mich nach zwei Semestern des Studiums im Fach Umweltingenieurwesen an der Universität Kassel nun doch recht spontan zum Lehramtstudium im ‚weit von der Heimat entfernten‘ München entschieden hatte, war ich mit dem Orientierungspraktikum ein wenig in Verzug.
Viele meiner Kommilitonen hatten es schon vor Semesterstart abgeschlossen. Für mich war also klar, dass die ersten Ferien nach Semester Nummer 1 sinnvoll genutzt werden sollten.

Auf der Suche nach einer geeigneten Schule, hörte ich durch einen Bekannten von der Ernst-Barlach Realschule und machte, nachdem mich die Internetseite überzeugt hatte, einen Termin mit dem Schulleiter Herrn Otto aus.
Wir wurden uns nach dem Gespräch terminlich einig. So konnte der erste praktische Kontakt mit der Lehrberuf Ende März starten.

Da der eigene Schulbesuch nun doch schon 3 Jahre zurücklag und die Uni einem das Frühaufstehen systematisch abgewöhnt, war das rechtzeitige Erscheinen zur ersten Stunde die erste Prüfung, die ich bestehen musste. In der Schule angekommen, war das gemütliche Bett aber natürlich vergessen, man war ja von unzähligen Leidensgenossen umgeben und außerdem gab es einen Kaffeeautomat in der Schulcafeteria.

Aber nun zum Wesentlichen. In der ersten Woche durfte ich überall mal ‚reinschnuppern‘. Ich hatte auch vorher den Wunsch geäußert, möglichst viele Fächer, viele Lehrer und viele Klassen kennen zu lernen. Dies würde ich auch als Empfehlung für zukünftige Praktikanten weitergeben.
Ich wurde von allen Klassen gerne aufgenommen und nach 1-2 Stunden hatten die Schüler auch ihre Zurückhaltung abgelegt, sprachen mich an oder ließen sich von mir in Arbeitphasen helfen. Ich lernte also von der ‚braven‘, unkomplizierten 6ten Klasse bis zur vermeintlich schwierigen, lauten 9ten alle Klassen kennen. Die Mathematiklehrer, deren Unterricht ich besuchte boten mir auch schon früh an, in den darauf folgenden Wochen mal selber Unterrichtsstunden vorzubereiten und zu halten.

Da die Ernst-Barlach Schule ja keine ’normale‘ Schule ist, sondern Kinder mit jeder Form von körperlicher Behinderung integriert und ihre Entwicklung zu unterstützen versucht, möchte ich noch ein paar Worte zu meinen Erfahrungen mit den betroffenen Schülern erwähnen.

Ich denke es sind einige verschieden Krankheitstypus in der Schule vertreten, körperlicher und psychischer Art. Viele gehen offen damit um und reden darüber. Als ein besonderes Beispiel möchte ich eine lustige Situation in einer 5ten Klasse schildern. Ein Schüler, der eigentlich im Rollstuhl sitzt hatte sich vorgenommen einen Tag mal mit Hilfe von speziellen Krücken auszukommen. Im Mathematik Unterricht machte er allerdings ziemlich viel Quatsch. Der Effekt war, dass er vor die Tür sollte. Bloß hatten die Worte ‚Du gehst jetzt mal 5 min vor die Tür‘ hier eine andere Bedeutung. Er nahm es mit Humor und versuchte eisig aufzustehen und raus zu gehen. Von tobenden Mutzurufen der Klasse begleitet! Nach geraumer Zeit war die Aufgabe dann auch erst mal erfüllt.
Für die nicht behinderten und gesunden Kinder hat das Schulprinzip zum Effekt, dass sie unbewusst in ihrem Sozialverhalten geschult werden. Viele kümmern sich wie selbstverständlich um ihre Mitschüler und erledigen Aufgaben, die diese nicht verrichten können. Während es an anderen Schulen Mobbingbeauftragte oder Mentoren gibt, scheint hier das Thema keine Rolle zu spielen. Das hängt vermutlich auch damit zusammen, dass jede Klasse einen selbst erstellten Regelkatalog an der Wand hängen hat, mit der obersten Prämisse: seine Mitschüler zu respektieren. Für mich war das eine der positivsten Erfahrungen.

Eine weitere erwähnenswerte Erfahrung war der Sport – und Schwimmunterricht. Am Sportunterricht nehmen auch die nicht behinderten Kinder einen Rollstuhl. Verschiedene Rollstuhlsportspiele und Übungen werden mit der ganzen Klasse, hier als Rollstuhlgemeinschaft, unternommen. Der Schwimmunterricht hat den positiven Effekt, dass Rollstuhlfahrer und Körperbehinderte kaum Nachteile haben.

Resümierend kann ich auf drei interessante und zum Teil lehrreiche Wochen zurückblicken, in denen ich neben dem Schulalltag auch den Umgang mit bestimmten Krankheiten mitbekommen habe. An zukünftige Praktikanten würde ich weitergeben, so viele Angebote, Unterricht selber zu halten anzunehmen. Denn nur so stellt man wirklich fest, ob das Lehramt die richtige Wahl ist. Für die Stunden, in denen lediglich Unterricht beobachten ansteht, auf jeden Fall mit genügend Koffeinzufuhr eventuellen Müdigkeiten vorbeugen und sich selber Beobachtungsziele, wie Position des Lehrers, Teilnahme bestimmter Schüler oder eventuelle Störfaktoren zu Begin suchen.

Ein Dankeschön an die Ernst-Barlach Schule, im Speziellen an Herrn Otto!