Die fachpraktische Ausbildung im Zweig Wirtschaft, Verwaltung, Recht

Das Betriebspraktikum umfasst in jedem Schuljahr insgesamt ca.90 Arbeitstage, die sich in vier Abschnitte von jeweils vier bis fünf Wochen Dauer gliedern.

Am Ende eines Schuljahres nimmt die Lehrkraft, die das Praktikum betreut, mit allen künftigen Schülern Kontakt auf, um zu erfahren, für welche Branche sie bevorzugtes Interesse zeigen, um sie im ersten Praktikumsabschnitt entsprechend vermitteln zu können. Bei behinderten Schülern ist zu erfragen, welche Hilfen z.B. Fahrdienst, Helfer- sie bei der Ausübung des Praktikums benötigen, um entsprechend planen und organisieren zu können. Wenn Schüler/innen sich selber eine Praktikumsstelle suchen, wird überprüft, ob diese Stelle die Voraussetzungen für die fachpraktische Ausbildung erfüllt.

Hier eine kleine Auswahl unserer Praktikumsbetriebe: LVA Oberbayern, Weddix GmbH, Sigmeta Informations-und Technik GmbH, Siemens AG, Stadtsparkasse München-Starnberg, Recruitwork GmbH, Modehaus XY, Allianz-Versicherungs-AG, Polizeipräsidium München, Hausverwaltung der Münchner Grund VdK Landesverband Bayern e.V., Amtsgericht München, Hypo-Vereinsbank AG, Zentralverwaltung der städt. Bibliotheken München, Kreisverwaltungsreferat der Stadt München usw.

Im zweiten Praktikumsabschnitt, besuchen unsere Schüler in der Regel nochmals die gleiche Praktikumsstelle. Dem Schüler soll so durch das Kennenlernen verschiedener Abteilungen eines Hauses ein besserer Einblick in die dort ablaufenden Tätigkeiten gewährt werden. Bei auftretenden Problemen während des Praktikums oder auf ausdrücklichen Wunsch des Schülers ist aber auch ein Wechsel der Praktikumsstelle zum jeweils nächsten Abschnitt möglich. Nach dem Ende des zweiten Abschnittes wird generell allen Schülern ein Praktikumsstellenwechsel empfohlen. Sie sollen so die Möglichkeit haben, während ihrer Ausbildung in die Bereiche Einblick zu erhalten, für die sie besonderes berufliches Interesse zeigen.

Die Zeit in der 11.Klasse vergeht den Schülern im Allgemeinen wegen des ständigen Wechsels zwischen Schule und Arbeitsstelle recht schnell. Die Arbeitsphasen werden zwar meist als anstrengend, aber durchaus lehrreich empfunden. Einige unserer Schüler stellen plötzlich fest, dass sie das Arbeitsleben schöner finden, als die Schule, bei anderen ist es umgekehrt. Für die fachpraktische Ausbildung im Zweig WVR gelten ferner folgende Richtlinien:Die Schüler behalten auch im Betrieb den Schülerstatus bei. Sie sind so für die Zeit der fachpraktischen Ausbildung durch die gesetzliche Unfallversicherung geschützt.

Während der fachpraktischen Ausbildung unterliegen die Schüler dem Weisung- und Dispositionsrecht der Firma. Eine Entlohnung ist laut Schulordnung ausgeschlossen.

Die Schüler können zu Arbeiten, die mit ihrer Ausbildung zusammenhängen, herangezogen werden.

Die wöchentliche Arbeitszeit entspricht normalerweise der Regelarbeitszeit. Samstage, Ferien, sowie schulfreie Tage sind frei.

Laut Ausbildungsplan sind die Schüler verpflichtet, Berichte über ihre Tätigkeiten im jeweiligen Ausbildungsabschnitt anzufertigen. Hier ein Auszug aus dem Bericht eines Schülers, der einen Teil des Praktikums in einem Modehaus absolvierte:

a) Marketing, Werbung, Aktionen
b) Einkauf
c) Wareneingang
d) Preisgestaltung
e) Verkaufspsychologie und Warenpräsentation

Zu a) Primär muss herausgefunden werden, was zur Zeit besonders verlangt wird (Marken, Stil, Stoffe, Schnitte, Farben…..).Kritisch ist auch die Frage, welche Produkte im Preisleistungsverhältnis stehen, insbesondere in Konsum-Flaute-Zeiten?! Wir haben festgestellt:
  1. Neu! Jeder hat den Schrank schon voll, will sich aber ständig was Neues, Schönes gönnen. Deshalb bekommen wir wöchentlich neue Ware, was dem aktuellen Trend entspricht.
  2. Reduziert! Die Kunden wollen Schnäppchen machen. Bei reduzierter Ware wird schneller zugegriffen. Darauf müssen dann Werbung und Aktionen abgestimmt werden. Momentan läuft folgende Aktion: Jeder, der etwas kauft, bekommt einen Gutschein über 10% des Warenwertes, der dann beim nächsten Einkauf gutgeschrieben wird. Solche Aktionen dienen der Kundenbindung. Außerdem gibt es am Geschäftseingang einige Ständer mit reduzierten Waren, auch neue Teile sind darunter, als so genannte Ladenreinzieher.
Zu b) Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage im Jahr 2003 wird gegenüber von 2002 mit einem Abschlag von 10% gerechnet.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten für den Einkauf:
  1. Es kommen Vertreter verschiedener Firmen in den Laden oder rufen an, um einen Besichtigungstermin in ihren Showrooms zu vereinbaren. Der oder die Einkäufer(innen) müssen dorthin fahren und die Ware aussuchen und bestellen, die dann in einigen Monaten geliefert wird.
  2. Bei vielen Firmen gibt es Lagerware, was vor allem bei Hosen wichtig ist, die von Fachgeschäften in allen Größen und Waschungen bevorratet werden sollten.

Zu c) Die Pakete, die durch Post, UPS, DPD German Parcel etc. geliefert werden, werden in einem Wareneingangsbuch eingetragen. Dann muss der Lieferschein mit dem Auftrag verglichen werden, sowie natürlich mit der Ware, d.h. man muss Artikelnummer, Farbe, Stückzahl kontrollieren, vergleichen und jeweils abhaken und dann falls alles richtig geliefert wurde, den Lieferschein mit dem Eingangsdatum versehen und unterschreiben. Die gelieferte Ware muss auch noch auf Mängel und Passform überprüft werden. Anschließend wird der Verkaufspreis kalkuliert, falls dieser noch nicht vorgegeben ist. Die Ware wird ausgezeichnet, mit Warensicherung versehen und auf Bügel gehängt oder ordentlich zusammengelegt. Anschließend wird ein passender Platz im Laden gesucht.Zu d) Die empfohlenen Verkaufspreise werden teilweise auf- bzw. abgerundet, da Eckpreislagen die Kunden mehr ansprechen! Also nicht 103,40€ sondern besser 99,90€ oder statt 50,00€ besser 49,90€.

Zu e) Die Kunden in Europa sind folglich der Drehrichtung um die Erdachse rechtsorientiert, d.h. wenn sie in einen Laden gehen, schauen sie meist erst auf die rechte Seite…. .Teure Ware sollte immer in Greifhöhe liegen, aber auch schlecht verkäufliche Ware braucht einen guten Platz im Laden! Eine wichtige Rolle spielt auch die Beleuchtung, welche auf die Ware strahlt. Die Leute werden von einem warmen Licht angelockt. Um die Kunden in Einkaufsstimmung zu bringen, sind Musik, Gerüche, eine angenehme Stimmung und Atmosphäre wichtig. Natürlich müssen alle Kunden freundlich und hilfsbereit bedient und beraten werden…

Die Schüler werden von den Ausbildungsleitern in den Betrieben auf Formblättern, die die Schule bereitstellt, beurteilt. Diese Beurteilung entscheidet mit über das Bestehen der fachpraktischen Ausbildung.

E. Koppold
(Praktikumsbetreuung, WVR)

Amtsgericht München