Die 7. Klassen sollten ein Buch vorstellen. Aber nicht irgendein Buch. Nein, das Lieblingsbuch. Allerdings nicht als Referat, sondern in Form einer Lesemappe mit diversen kreativen Aufgaben.

Hier ist ein Auszug aus der Lesemappe von Julia Papst, die das Buch „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ ausgewählt hat. Die Aufgabenstellung lautet u. a., dass die Schüler*innen sich in eine der Hauptfiguren hineinversetzen und einen Brief nach 10 Jahren schreiben sollen, wobei sie dabei die Ereignisse im Buch reflektieren müssen.

Aus dem gleichen Buch stammt das von Julia Papst vorgelesene Kapitel „Die Fundnudel“.

 

Ricos Brief nach 10 Jahren

Hallo, ich bin Rico aus „Rico, Oskar und die Tieferschatten“.

Vor genau 10 Jahren trieb Mister 2000 sein Unwesen in Berlin und seit damals ist ziemlich viel passiert – Mann, Mann, Mann!

Oskar und ich sind noch immer die besten Freunde. Er hat vor zwei Jahren sein Abitur gemacht – hochbegabt wie er ist natürlich mit lauter Einsern!
Jetzt studiert er Mathematik – was auch sonst?
Seit er eine Freundin hat, trägt er seinen Motorradhelm nicht mehr – wahrscheinlich hat sie zu ihm gesagt „Entweder der Helm oder ich“!

Ich habe mich in der Förderschule richtig angestrengt und es geschafft, danach einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Jetzt bin ich Verkäufer und arbeite im gleichen Kaufhaus wie Frau Dahling – sie an der Wursttheke, ich beim Käse.
Wir fahren immer gemeinsam zur Arbeit und das ist auch gut so, sonst würde ich wahrscheinlich immer zu spät oder gar nicht ankommen. Habe leider nach wie vor ein Orientierungsvermögen wie eine besoffene Brieftaube in einem Schneesturm bei Windstärke 12.
Ab und zu schauen Frau Dahling und ich uns noch Filme an und essen Müffelchen.
Sie hat wieder einen Freund, der aber nicht bei ihr wohnt – vielleicht deshalb, weil er Angst davor hat, genauso aus dem Fenster geworfen zu werden wie damals der kaputte Fernseher.

Ihr werdet es nicht glauben, aber der Fitzke lebt noch immer. Seit damals in der Zeitung stand, dass er den Entführer mit einem Stein gestoppt hat und er deshalb sogar für ein paar Wochen richtig berühmt war, ist er ein bisschen freundlicher geworden – dafür müffelt er ein bisschen mehr.

Meine Mama und der Simon Westbühl haben geheiratet und ich habe eine kleine Halbschwester. Sie ist fünf Jahre alt und heißt Anna, was ganz praktisch ist, weil man sie sowohl vorwärts als auch rückwärst rufen kann.

Der Marrak – besser bekannt als Mister 2000 – wurde damals verhaftet und musste ins Gefängnis. Inzwischen ist er wieder auf freiem Fuß, aber ich weiß nicht, was er beruflich macht.
Falls er sich wieder dazu entschließen sollte Kinder zu entführen, wird der Andreas Steinhöfel sicherlich nochmal ein Buch darüber schreiben.

So, das war es für heute, lasst es euch gut gehen und falls Ihr irgendwo eine Nudel findet:
Fragt nicht, wem sie gehört, sondern esst sie einfach auf!

Viele Grüße!

Euer Rico