Ein lohnender Blick in die Schulgeschichte

Die Ernst-Barlach-Fachoberschule wurde im Jahr 1972 gegründet. Sie besteht 35 Jahre lang. Zeit für einen speziellen Rückblick.
Gegründet wurde die Realschule und die Fachoberschule auf ausdrücklichen Wunsch behinderter Jugendlicher. Ihnen war ein Durchbruch gelungen. Trotz geringer Berufsaussichten beanspruchten die schwerstbehinderten Jugendlichen den Fachoberschulabschluss. Zusätzliche fachliche Qualifikation, so dachten sie, sollte ihreBerufschancen erhöhen. Die darauf folgenden 35 Jahre bestätigten die Richtigkeit ihrer Einschätzung. Zur Rechtfertigung ihres Anspruchs brachten sie jedoch noch einen weiteren Aspekt ins Spiel, den sie in die provokante Fragestellung kleideten: „Ist Bildung denn nicht mehr wert als Ausbildung?“ Diese emanzipatorische Absicht hat meines Erachtens bis heute nicht an Wichtigkeit verloren. Schule hat vielen behinderten Menschen – unabhängig von Noten – zu einem Wissensstand, zu einer Sprach- und Argumentationsfähigkeit, zu Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl und zu einem hohen Grad an Mobilität verholfen, wie sie es ohne Schule nie erreicht hätten. Schule hat wie keine andere Einrichtung viele junge Menschen ausgestattet für ihre Selbstbehauptung in der Gesellschaft und sensibilisiert für ästhetische und kulturelle Bedürfnisse.

Die Pionierklasse der FOS mit ausschließlich schwerstbehinderten Schülern machte die Abschlussprüfung im Jahr 1974 mit folgender Besetzung:

Sozialer Zweig:
Brunhilde Bung,
Anna Fixl,
Dagmar Vondryska,
Rosi Weigl
Technischer Zweig:
 Josef Fuchs,
Theophil Fuchs,
Geord Hins,
Rainer Mahr

Von diesen Schülerinnen und Schülern hat Brunhilde Bung als einzige überlebt.
Ab Schuljahr 1980/81 war die Fachoberschule auch für nicht behinderte Schülerinnen und Schüler geöffnet worden, die sogenannte umgekehrte Integration hatte ihren Anfang genommen.
1981/82 wurde die Fachoberschule um den Wirtschaftszweig und ab Schuljahr 1998/99 um den Gestaltungszweig erweitert. Unsere Fachoberschule war 25 Jahre lang von 1972 bis zum Jahr der staatlichen Anerkennung 1999 nur staatlich genehmigt.
An dieser Stelle sei daran erinnert, dass von damals bis heute viele Kollegen anderer Schulen und Einrichtungen ohne finanzielle Entschädigung am Erfolg unserer Schüler und an der Legitimation und Weiterentwicklung unserer kleinen privaten Fachoberschule mitgeholfen haben. Von Kollegen der staatlichen Fachoberschule Augsburg, dem Sitz des Ministerialbeauftragten, mussten die schriftlichen und mündlichen Prüfungen abgenommen werden.

Ministerialbeauftragter Hr. Schnitzler und MB-Mitarbeiter

 

 

 

 

 

 

Die Augsburger Kollegen traten zu Prüfungszeiten den 75 km weiten Weg nach München oft mehrmals an, um als Beisitzer die mündlichen Prüfungen abzunehmen, die schriftlichen Prüfungsarbeiten als Zweitkorrektoren nachzukorrigieren und an den Abschlusssitzungen des Prüfungsausschusses teilzunehmen. Wir bedanken uns an dieser Stelle bei den Ministerialbeauftragten Bubmann, Schnitzler und Ringholz und vor allem bei den Kollegen Weisser, Kehl, Wörner, Seßler, Pratsch, Michel, Klaus, Eibler, Vogg, Laub, Leister, Reich, Rauch, und vielen anderen.
Viele Kollegen der staatlichen Fachoberschule München ermöglichten durch ihr zusätzliches Engagement über 25 Jahre hinweg den Schülern der 11. Klassen des technischen Zweigs die fachpraktische Ausbildung „Metall“ und „Elektro“ in ihren Ausbildungswerkstätten. Kollegen in den Ausbildungswerkstätten der Firma Siemens und des Fernmeldeamtes 5 an der Leopoldstraße stellten bereitwillig und zum Teil über viele Jahre hinweg Praktikumsplätze zur Verfügung. Unser Dank gilt ihnen und auch den vielen Kolleginnen und Kollegen in all den Firmen, Ausbildungswerkstätten und Einrichtungen, die unsere Schüler der Fachrichtungen Wirtschaft, Sozialwesen und Gestaltung an ihren Praktikumsplätzen betreut haben.

Hans Prockl