Abba Naor – Zeitzeuge an unserer Schule

1928 in Litauen geboren, erlebte Abba Naor in jungen Jahren den Anschluss seiens Landes an die Sowjetunion und kurze Zeit später den Einmarsch der deutschen Truppen.
Sogleich wurden die litauischen Juden in Ghettos gesperrt. Zeitgleich begann die planmäßige Ermordung. Auch aus anderen Ländern Europas wurden Juden nach Kaunas deportiert und dort erschossen (auch die erste von 44 Deportationen Münchner Jüdinnen und Juden fand nach Kaunas statt, wo sie am 25.11.41 ermordet wurden).
Abba Naor wurde in den Westen verschleppt. Er überlebte das KZ Stutthof, mehrere Außenlager des KZ Dachau und auch den abschließenden „Todesmarsch“ zu Ende des Krieges. Als „displaced person“ verbrachte Naor noch einige Zeit in Freimann und wanderte dann nach Israel aus.

 

 

 

 

 

 

Seit einigen Jahren besucht Abba Naor jedes Jahr mehrere Schulen in München und Umgebung. So kam er am 29.11.12 auch zu uns und erzählte anschaulich und offen über seine Jugend.

Die Schüler/innen aus den Jahrgangsstufen 10-12 hörten gebannt zu. Sie scheuten sich nicht, auch sehr persönliche Fragen zu stellen, welche von Herrn Naor in aller Offenheit beantwortet wurden.

Ein großes Dankeschön an eine große Persönlichkeit!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachtrag im Juli 2014:

Seine bewegende Biografie hat Abba Naor nun auch in einem Buch erzählt. Der Erzählstil erinnert an Naors Vortragsweise und ist damit einerseits bemerkenswert „locker“, zeigt aber andererseits, dass Vergangenheit und Gegenwart sich nicht einfach trennen lassen, sondern ineinander verwoben sind.
Abba Naor schildert nicht nur die Zeit zwischen Verfolgung und Befreiung, sondern auch sein Leben nach dem Krieg. Und das ist wahrlich spannend; denn Naor arbeitete in der Hagana, bei Shin Bet und Mossad und spielte eine wichtige Rolle bei der Operation Moses zur Rückholung der äthiopischen Juden. Ein empfehlenswertes Buch!

Abba Naor (mit Helmut Zeller): Ich sang für die SS. Mein Weg vom Ghetto zum israelischen Geheimdienst, München: Beck 2014, ISBN 978-3-406-65983-6.