Roman Orben: Orientierungspraktikum (14.03.-01.04.2011)

Zu Beginn möchte ich dem ganzen Lehrerkollegium danken, für seine Unterstützung und Offenheit. Ganz besonderer Dank gilt Herrn Otto und Herrn Merk, bei denen ich eine Unterrichtsstunde halten durfte. Im Besonderen Herrn Otto, der für mich als Praktikant zuständig war und immer Zeit für mich hatte.

Meine ersten Gedanken zu meinem Praktikum waren, dass ich drei Wochen lang meine Stunden absitzen und den üblichen Schulalltag wahrnehmen müsse, der mir aus 13 Schuljahren bekannt war.
Dies war aber nicht der Fall. In meiner ersten Woche merkte ich, dass an dieser Schule der Lehrer nicht alleine den Unterricht gestaltet und keine seitenlangen Hefteinträge von der Tafel abgeschrieben werden.
Man vermittelt neue Themen zum Beispiel in Stuhlkreisen, um so die Kinder und Jugendlichen zu kritischem Reflektieren und Mitdenken zu motivieren. Hauptsächlich geschah dies durch den offenen Dialog.

Selbstständiges Arbeiten wird aber auch von den Schülern gefordert und gefördert.
Hierzu weckten mathematische Projektgruppen in der fünften und sechsten Klasse bei Frau Kohlschmidt großes Interesse in mir.
Kleine Arbeitsgruppen hatten die Anweisung, sich mit „schrecklichen“ Textaufgaben auseinanderzusetzen und sie zu lösen.
Zunächst sollten die Schüler den Sachverhalt verstehen, um später einen klaren Lösungsweg  formulieren und die Aufgabe mathematisch korrekt erläutern zu können.
Durch das schriftliche verfassen eines Lösungsweges, also in eigenen Worten, sollte man schnell das Prinzip einer Textaufgabe erkennen.
Wenn es Missverständnisse gab, stand natürlich der Lehrer mit Rat und Tat zur Seite.

In der zweiten Woche wurde mir angeboten, zwei Unterrichtsstunden in der dritten Woche selber zu halten.
Mir war von Beginn an klar, dass ich diese Chance nutzen wollte. Durch den ständigen Kontakt und Austausch mit den Lehrern hatte ich rapide eine Leitidee für meinen Unterricht.
Daraufhin hielt ich am Donnerstag in der zweiten Stunde in der netten Klasse 7a meine erste Mathestunde.
Von Anfang an hatte ich ein gutes Gefühl und es machte mir sehr viel Freude der Klasse Zinsrechnung beizubringen. Die Zusammenarbeit mit den aufgeschlossenen Schülern bei einem konkreten Beispiel war ebenfalls kein Problem. (…)
Herr Otto verfolgte das ganze Geschehen in seiner Klasse und nahm sich danach Zeit für Verbesserungsvorschläge und Feedback.

Die zweite Unterrichtseinheit in der Wirtschaftsklasse  der siebten Jahrgangsstufe bei Herrn Merk verlief auch sehr erfreulich.
Das Thema „Bilanz“ stand an der Tagesordnung. Hierzu fertigte ich mein erstes Arbeitsblatt an. Als ich die Schüler mit meinem Arbeitsblatt arbeiten sah, machte mich dies sehr stolz. Die darauf folgende Bestätigung, dass die Jugendlichen meinen Unterricht nachvollziehen konnten, war wunderbar.
Die Klasse arbeitet auch sehr gut mit, was fast schon beängstigend war. Aus eigener Erfahrung ist einem ein solches Verhalten eher fremd.

Während meinen zwei Unterrichtsstunden und meiner täglichen Teilnahme am Schulalltag wurde mir sehr bewusst, dass körperlich benachteiligte Menschen genau so fleißig und geistig arbeitswillig wie „gesunde“ Menschen sind. Eigentlich eine selbstverständliche Ansichtsweise. Dies ist eine Erfahrung, die in unserer heutigen Leistungsgesellschaft kaum noch möglich ist. Körperlich behinderte Menschen werden eher in die „Ecke“ gedrängt und unterschätzt. Dies klingt zwar engstirnig, beschreibt aber meine eigene Lebenserfahrung.
Vor allem das Verhalten der Kinder und Jugendlichen untereinender war bemerkenswert positiv.
Auf jeden wird Rücksicht genommen und Hilfsbereitschaft gehört an dieser Schule zur Selbstverständlichkeit.
Deswegen kann ich sagen, insbesondere durch meine zwei eigenen Stunden, dass ich fachlich einiges gelernt hab. Vielmehr aber wurde ich auch menschlich bereichert.

Auf Wiedersehen und bis bald,

Roman Orben