Nadine Schwarz: Pädagogisch-Didaktisches Schulpraktikum (27.09.-15.10.2010)

Am Morgen meines ersten Praktikumstags in der Ernst-Barlach Realschule war ich sehr gespannt darauf, was mich alles erwarten würde. Ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits Praktika an regulären Realschulen gemacht, jedoch noch nie an einer integrativen Schule.
Als ich das Lehrerzimmer betrat, fiel mir sofort die entspannte Atmosphäre auf, die dort herrschte und ich wurde von jedem einzelnen freundlich begrüßt. Wie sich im Laufe der Zeit herausstellte, wurde nicht nur freundlich mit mir umgegangen, ich wurde auch immer wieder in Gespräche über Schüler oder Lehrsituationen mit einbezogen, konnte mit diskutieren und nicht eine Sekunde lang hatte ich das Gefühl, dass meine Meinung als Praktikantin weniger interessierte, als die der anderen Anwesenden. Das allein schon war eine sehr angenehme und bereichernde Erfahrung.
Während der drei Wochen meines Praktikums konnte ich bei verschiedenen Klassen von der 5. bis zur 10. beim Unterricht dabei sein, teilweise einzelnen Schülern zur Hand gehen, bei Projekten und Spielen mitmachen (was am meisten Spaß machte) und auch selbst Unterrichtsstunden halten. Vorher hatte ich mich gefragt, wie normaler Unterricht in einer Klasse möglich ist, in der manche Schüler körperbehindert sind und manche nicht. Da wusste ich noch nicht, dass es an der Schule Leute gibt, die extra dafür da sind, denen beim Schreiben zu helfen, die es selbst nicht können und dass das den Unterricht nicht mal stört. Ich war außerdem verblüfft zu sehen, wie selbstverständlich Schüler ihren Nachbarn dabei geholfen haben, ihre Tasche zu packen oder mal schnell die Hausaufgaben für sie aufzuschreiben. Selbst wenn jemand mal keine Lust dazu hatte, hat es eben jemand anderes gemacht, es war kein Problem.
Als Praktikantin befand ich mich in einer Art Zwischenposition, ich war kein Schüler aber auch noch kein Lehrer und so konnte ich in Gesprächen mit Schülern einerseits gut ihre Sicht der Dinge nachvollziehen, andererseits wusste ich um die Ziele und Vorgaben der Lehrer, die, wie an jeder anderen Schule,  manchmal mit den Vorstellungen und Tagesverfassungen der Schüler kollidierten. Von den Erkenntnissen aus dieser besonderen Position heraus beschwingt, nahm ich mir für meinen Unterricht so einiges vor und musste dann erfahren, wie schwer es sein kann, als Lehrer allen Anforderungen gerecht zu werden. „Meine“ Schüler waren in diesem Fall unglaublich geduldig und haben sich sehr bemüht, mir gut durch meine Lehrerfahrung zu helfen. Auch meine „Kollegen“ haben mir mit vielen hilfreichen Tipps vor meinen Unterrichtsversuchen zur Seite gestanden und die sehr konstruktive Kritik von den Fachlehrern danach hat mich einige Schritte weitergebracht auf dem Weg zur Lehrerin.
Obwohl es natürlich auch manchmal Ärger und Streit gab, empfand ich die soziale Atmosphäre insgesamt  als sehr angenehm. Ich habe dadurch gelernt, dass auch ich Konfliktsituationen mit einzelnen Schülern aushalten kann und sich diese manchmal sogar während eines turbolenten Rolli-Volleyballspiels einfach in Luft auflösen.
Insgesamt war das Praktikum eine sehr gute und interessante Erfahrung für mich und ich habe mich jeden Morgen – trotz des frühen Aufstehens! – auf die Schule gefreut.