Markus Minth: Pädagogisch-didaktisches Schulpraktikum (20.9.2010-18.2.2011)

Ich studiere Mathematik und Chemie mit dem Erweiterungsfach Physik auf Lehramt und bin im dritten Hochschulsemester. Um den Beruf als Lehrer ausüben zu können, muss man während des Studiums auch einige Praktika absolvieren, wie z.B. das pädagogisch-didaktische Schulpraktikum.

Während meiner ehrenamtlichen Tätigkeit in der evangelischen Jugend an der Kreuzkirche in München hatte ich regelmäßig u.a. mit Kindern sowie jungen Erwachsenen mit Handicap zu tun. Daher habe ich mich des Öfteren gefragt, wie diese ihren Schulalltag bewältigen. Aus diesem Grund fiel meine Wahl für mein Praktikum schnell auf die Ernst-Barlach-Realschule.

Am 20.09.2010, also eine Woche nach Beginn des Schuljahres 2010/ 2011, fing mein Praktikum an der Ernst-Barlach-Realschule an. Bereits in meiner ersten Woche erhielt ich auf Grund akuten Lehrermangels und des Vertrauens von Herrn Otto die Chance, im Fach Mathematik mit fünf Klassen verschiedener Altersstufen Übungsblätter zu bearbeiten. Für diese Möglichkeit bin ich im Nachhinein sehr dankbar, obwohl die Woche sehr viel anspruchsvoller war, als ich zunächst angenommen hatte. Insbesondere die Stunden in den sechsten Klassen sind mir dabei im Gedächtnis geblieben: Da der Jahrgangsstufentest bevorstand, sollte ich mit diesen Klassen die alten Jahrgangsstufentests üben, indem ich jede/jeden für sich alleine arbeiten lassen und daher eigentlich nur als Aufsichtsperson fungieren sollte. Diese Einzelaufgabe beinhaltete jedoch folgendes Problem: Weil die meisten Schüler/Innen einen Großteil der Aufgaben nicht verstanden, eilte ich von einem Schüler/In zum Anderen/zur Anderen und versuchte ihm/ihr möglichst einfach den Lösungsweg der verschiedenen Aufgaben zu erklären.

In der zweiten Woche durfte ich alle Klassen, mit denen ich in der ersten Woche geübt hatte, mit ihren eigentlichen Mathematiklehrern erleben, was eine äußerst spannendes Ereignis für mich war; denn ich konnte als Zuschauer sehr gut den Unterschied zwischen dem Verhalten einzelner Schüler/Innen in Anwesenheit ihres normalen Mathematiklehrers und dem Verhalten in den von mir gehaltenen Unterrichtsstunden beobachten.

Von der dritten Woche blieb mir am eindrücklichsten in Erinnerung, wie ich völlig entkräftet aus dem Sportunterricht ging, da ich in diesem selber ausprobieren durfte, wie es ist in einem Rollstuhl zu sitzen. Ich würde jedem empfehlen, diese Erfahrung einmal selber zu machen. Meiner Meinung nach kann man ausschließlich durch eine solche Erfahrung erst wirklich verstehen, z.B. wie anstrengend es ist und wie viel Geschicklichkeit man braucht, sich mit einem Rollstuhl fortzubewegen. So merkte ich schon nach dem „Aufwärmen“, was lediglich bedeutete, dass ich die Rampen bis zum vierten Stock hoch- und wieder runterfuhr, wie mich meine Kräfte verließen.

Nach den ersten drei Wochen Praktikum fing für mich das Wintersemester an der Universität wieder an, so dass ich dank der großen Kulanz der Ernst-Barlach-Schule insbesondere der von Herrn Otto jeden Freitag, also vom 15.10.2010 bis zum 11.02.2011, je sechs Stunden meines Praktikums absolvieren konnte. In dieser Zeit erhielt ich einen Einblick in das Mathematikprojekt im Fachgebiet Stochastik bei Frau Kohlschmid. In diesem Projekt, welches für die fünften und sechsten Klassen gedacht ist, sollen Schüler/Innen weitgehend eigenständig verschiedenste Bereiche der Stochastik erarbeiten. Es fördert somit schon früh die Eigenständigkeit.

Ich nahm während meiner gesamten Zeit immer wieder beeindruckt wahr, dass auf die Eigenständigkeit der Schüler/Innen an dieser Schule viel wert gelegt wird und dass es viele unterschiedliche Möglichkeiten gibt, diese zu fördern. Diesem „Motto“ entsprechend fand in meiner letzten Praktikumswoche die Projektwoche mit dem Thema „Bewegung“ statt, welches, wie ich finde, gerade für diese Schule hervorragend gewählt und umgesetzt wurde. Es wurden also die verschiedensten Themenbereiche angeboten, wie z.B. mechanische Bewegung, virtuelle Bewegung, Bewegungsspiele oder politische Bewegung. Das Ziel jeder Gruppe war es am Ende dieser Projektwoche, nämlich am Tag der offenen Tür, etwas Vorzeigbares in den Händen zu halten. Jede Gruppe durfte selbstständig planen, was sie vorstellen wollten und erarbeitete ihr Projekt meist ohne die Hilfe der Lehrer, die nur eingriffen, wenn eine Gruppe untätig war oder Chaos entstand. Zu Beginn war ich ein wenig skeptisch, ob am Ende wirklich jede Gruppe ein Resultat vorweisen können wird, weil der Anfang dieser Projektarbeiten zum Teil ziemlich unübersichtlich war. Aber schließlich konnte jede Gruppe ihr Ergebnis, wie z.B. einen kleinen Roboter, präsentieren. Das Ergebnis wurde von jeder Gruppe am Ende der Woche stolz erst vor der ganzen Schule und am anschließenden Samstag den Besuchern des offenen Tages vorgestellt.

Es ist mir wichtig, das außerordentlich gute Klima dieser Schule noch zu erwähnen. Ich empfand das Verhältnis im Lehrerkollegium, innerhalb der Klassengemeinschaft sowie zwischen Schüler/innen und Lehrern stets als äußerst angenehm. Meiner Meinung nach kann dies zum Großteil darauf zurückgeführt werden, dass jeder auf Grund der unterschiedlichen Formen von Behinderungen auf den Anderen Acht geben muss, allerdings auch darauf, dass die Lehrer besonders viel Wert auf einen angemessenen Umgang untereinander legen.

Abschließend möchte ich mich bei den Sportlehrern Frau Seidenschwang und Herrn Sellmaier bedanken, bei denen ich stets willkommen war und die wirklich hervorragende integrative Arbeit leisten. Ein Dank geht auch an Herrn Hanig für meine erste Unterrichtsstunde mit Feedback, an Frau Weide, Frau Kohlschmid, Frau Fuchs, Herrn Prockl und Herrn Otto, die ich über mein komplettes Semester jeden Freitag besuchen durfte. Ganz besonders möchte ich mich bei Herrn Otto bedanken, der mir das ganze Praktikum ermöglichte, mir während meiner kompletten Praktikumszeit als Betreuer zur Seite stand und mir ein Feedback für meine zweite selbst entwickelte sowie gehaltene Unterrichtsstunde gab.