Katharina Kraul: Orientierungspraktikum (11.-15.04.2011)

In fünf Tagen viel über den Lehrerberuf zu erfahren war, wie ich schon erwartet hatte, etwas schwierig. Die Woche, die ich in der Ernst – Barlach Realschule verbracht habe, war das erste Praktikum in meinem Lehramtsstudium. Doch obwohl durch dieses Praktikum nicht jeder Zweifel beseitigt werden konnte – Zweifel, ob ich mich wirklich für den Lehrerberuf eigne, Zweifel, ob ich wirklich für eine lange Zeit Lehrer sein will, so wurde mir doch zumindest ein Eindruck vermittelt, was lehren wirklich bedeutet. Die Klassen sind kleiner als ich es aus meiner Schulzeit kenne, wo das Klassenzimmer oft bis zum letzten Platz besetzt war, hier waren es oft nur ein Dutzend Schüler, die mehr oder weniger interessiert auf den Lehrer warteten. Ich habe viele verschieden Arten zu unterrichten neu kennengelernt, denn was mich selbst erstaunt hat, es macht einen großen Unterschied, ob man als Schüler mittendrin sitzt oder als Unbeteiligter hinten im Raum.

Die Woche an der Ernst – Barlach Schule hat mir auch etwas näher gebracht, mit dem ich davor relativ selten in Berührung gekommen bin – das Konzept Förderschule und das Thema Behinderung. Bevor ich das Praktikum angefangen habe, wurde ich gefragt, warum ich denn an einer Schule mit Behinderten meine Woche verbringen wollte, ob ich Berührungsängste oder ähnliches hätte. Diese Frage habe ich da lachend abgetan und auch nach der Woche kann ich immer noch sagen, dass ich keine Berührungsängste habe, doch ich weiß jetzt, dass man das alles nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Als Lehrer erfordert es manchmal einen sensibleren Umgang mit einer Klasse, in der zwar nur zehn statt zwanzig Schüler sitzen, davon aber manche im Rollstuhl und ich war beeindruckt, wie alle Lehrer diese Herausforderung gemeistert haben.

Die Schüler sind es wohl gewöhnt, dass ihnen verschüchterte Praktikanten im Schulalltag begegnen, denn alle waren sehr freundlich und herzlich – trotzdem ist das „Guten Morgen Frau Kraul“ etwas, an das ich mich noch gewöhnen muss – Schülern, die vielleicht zwei, drei Jahre jünger sind als ich hätte ich mich lieber als Katharina vorgestellt.

Im Allgemeinen hat mir das Praktikum sehr gut gefallen, mir wurde auf jeden Fall ein Eindruck vermittelt, was mich irgendwann einmal erwartet. Außerdem habe ich viele interessante Sachen gelernt, die ich in dreizehn Jahren Schule wohl entweder nicht mitbekomme oder die ich erfolgreich verdrängt habe, denn ich weiß jetzt erstaunlich viel über verschiedene Strahlungsarten, wie ich jegliche Arten von Zeiten und Pronomina anwende und ich habe auch festgestellt, dass Augustinus auf Deutsch genauso unverständlich ist wie auf Latein. Dafür (und natürlich auch für den freundlichen Empfang) bedanke ich mich bei dem netten Lehrerkollegium!