2. Platz beim Kinderkrimipreis

„Das Blut der Golden Gate Bridge“ oder „Der Schuss aus den Büschen“ sind zwei Titel von Krimis, die die Schülerinnen und Schüler der 6a zusammen mit der Publizistin Gitta Gritzmann in der Krimiwerkstatt verfassten.

Schon zum zweiten Mal veranstaltete die Bibliothek der Ernst-Barlach Realschule im Januar 2014 wieder diese eintägige Schreibwerkstatt, die von den Initiatoren des Münchner Kinderkrimifestes durchgeführt wird.

Einen Vormittag lang werden hier Schülerinnen und Schüler einer fünften oder sechsten Klasse begleitet und angeregt beim Schreiben von Kriminalgeschichten. Sie erhalten wichtige Tipps über die Gestaltung eines Verbrechensschauplatzes und polizeiliche Ermittlungen. Zu sehen gibt es außerdem echte Handschellen und eine Detektivbrille, mit der man beobachten kann, was hinter einem geschieht. Anschließend geht die Arbeit in den Klassen im Rahmen des Deutschunterrichts weiter.

Auf diese Weise entstanden in der 6a bis Ende Februar dieses Jahres eine Reihe von Krimis, die die Sechstklässler teils einzeln, teils in Gruppen verfassten. Und Anfang April wurde die Anstrengung schließlich belohnt. Die 6a wurde zweiter Sieger im Klassenwettbewerb.

Die Preisverleihung fand am 9. April im Literaturhaus statt. Dabei waren Ausschnitte aus den Preisträgerkrimis zu hören. Für die Schüler gab es eine Urkunde und eine Torte, die am anderen Tag in der Klasse verteilt wurde. Außerdem wird einer der Krimis online veröffentlicht und kann dann auf der Homepage des Kinderkrimiwettbewerbs und auf der Website von radio mikro gelesen werden.

Wir sprechen an dieser Stelle den Siegern unsere herzlichen Glückwünsche aus und hoffen, dass aus dem einen oder anderen jungen Talent ein „großer“ Schriftsteller wird.

Auf Youtube gibt es einen kurzen Film über die Arbeit in der Krimiwerkstatt: http://youtu.be/wdPbjlJHrDA.

Das ist der Preisträgerkrimi:

Zwei gegen eine – Oakland

„Wer die Macht hat, hat natürlich auch die Macht, andere am Schlafen zu hindern.“ (Jack London)

Spät nachts stapfte ich durch die schmutzigen Straßen der Stadt. Große Pfützen bildeten sich vor meinen Füßen und viele Regentropfen durchnässten meine dunklen Locken.

Es war stockfinster, nur ein schwaches Laternenlicht erleuchtete mir den Weg. Hatte ich da etwa gerade Schritte hinter mir gehört? Ich schaute mich vorsichtig um, konnte aber nichts Auffälliges entdecken. Bestimmt war es nur das Tröpfeln des Regens. Vor einer halben Stunde hatte ich noch lustig auf der Party meiner Freundin getanzt, doch jetzt war ich hundemüde und wollte schnellstmöglich nach Hause. Da ich noch einen langen Weg vor mir hatte, lief ich mit großen Schritten. Plötzlich überfiel mich Angst. Ich hatte eindeutig das Gefühl, verfolgt zu werden. An einer kaputten Straßenlaterne blieb ich für einen Moment stehen und lauschte. Dann geschah es: Zwei kräftige Hände packten mich von hinten. Ich versuchte zu schreien, aber sie hielten mir den Mund zu. Ohne lange zu überlegen, biss ich fest zu. Ein kurzer, tiefer Schrei durchdrang die Nacht. Dann rannte ich los. So schnell ich konnte, überquerte ich die menschenleere Straße und huschte an den geparkten Autos und großen Häusern vorbei. Ich rannte, blickte nach hinten und merkte viel zu spät, dass ich dem Verbrecher direkt in die Arme lief. Wie war er so schnell von dort nach hier gelangt? „Was willst du von mir?“, kreischte ich angsterfüllt. Er hielt mich an den Handgelenken fest. „Psst!“, machte er. „Eine junge Frau wie du hat hier so spät nachts nichts zu suchen!“ Ich wartete einen Augenblick. Als sein Griff sich etwas gelockert hatte, befreite ich mich und trat ihn kräftig in den Bauch. Er krümmte sich vor Schmerz und ich rannte erneut los. Diesmal bog ich rechts in eine Seitengasse ein. In der Mitte des Weges stand ein kleiner, stacheliger Zaun. Ich versuchte darüber zu springen, blieb aber mit dem linken Fuß hängen und fiel unsanft auf den harten Boden. Ein stechender Schmerz durchbohrte meinen Kopf. Als ich zitternd aufstand, spürte ich, wie Blut über mein Gesicht floss. Ich fasste mir an die Stirn und torkelte weiter. Auf einmal stand er wieder da, wenige Meter vor mir. „Lass mich in Ruhe!“, schrie ich. Er lachte nur böse und brüllte dann: „Bill! Hier! Ich hab sie!“ Aha, also waren es zwei von ihnen. Kein Wunder, dass ich kaum Zeit zum Entkommen hatte. Doch so schnell gab ich nicht auf. Neben mir stand eine Leiter, die auf das Dach eines Hauses führte. Rasch stieg ich die ersten Stufen nach oben. Doch schon stand er unter mir und umschlang mein Fußgelenk. Mit voller Wucht trat ich um mich und traf seine Nase. „Ahh“, schrie er auf. Ohne zu zögern, kletterte ich die restlichen Stufen weiter hoch. Oben angekommen, humpelte ich zu dem Ende des Daches. Das andere Haus war ungefähr drei Meter entfernt. In einem Film wären sie wahrscheinlich einfach locker drüber gesprungen, aber ich würde das nicht schaffen. Schwer atmend setze ich mich hinter einen Lüftungsschacht und durchsuchte meine Taschen nach meinem Handy. Erfolglos. Entweder hatte ich es auf dem Weg verloren oder zu Hause vergessen.

Erschöpft stand ich wieder auf. Wenn ich entkommen wollte, musste ich mich irgendwie in Sicherheit bringen. „Dieses Biest hat mir die Nase gebrochen!“, hörte ich das Fluchen von unten, und Sekunden später ertönten Tritte auf der metallenen Leiter. Ich schaute mich hektisch nach einem Ausweg um. Da entdeckte ich ein altes Regenrohr, das nach unten führte.

Vorsichtig hängte ich mich daran fest und versuchte wie ein Feuerwehrmann daran herunter zu gleiten.

Doch dem Druck meines ganzen Körpergewichtes hielt es nicht lange Stand. Noch bevor ich unten angekommen war, krachte es laut zusammen.

Alles vor mir war verschwommen. Ich lag hilflos da und spürte, wie die winzigen Regentropfen über mein Gesicht liefen. Jetzt hatten sie mich. Meine letzte Kraft war aufgebraucht. Dann war alles schwarz um mich herum.

Als ich die Augen öffnete, lag ich in einem weißen Zimmer. Langsam drehte ich meinen Kopf zur Seite und sah in das Gesicht meiner Mutter. Sie lächelte mich an. Neben ihr stand ein junger, kräftiger Mann. Er sah etwas besorgt aus. „Wie geht es dir Anna, mein Schatz?“, fragte meine Mutter liebevoll. Ich zuckte zusammen, als starke Schmerzen meinen Körper durchdrangen. „Was ist passiert?“, fragte ich etwas verwirrt. Sie drückte meine Hand und sagte: „Du bist ganz knapp zwei Verbrechern entkommen. George Miller, das ist der Mann neben mir, hat dich gerettet. Er hat dich bewusstlos unter einem Rohr gefunden und, Gott sei Dank, sofort den Notarzt alarmiert.“

Jetzt übernahm er das Wort: „Laute Schreie haben mich aus dem Schlaf gerissen. Zuerst dachte ich, ich hätte schlecht geträumt, doch dann hörte ich wieder einen Schrei. Sofort sprang ich aus meinem Bett, raste die Treppe herunter und lief schnell nach draußen. Dort sah ich gerade noch, wie eine dunkle Gestalt über den Zaun entkam. Ich lief hinterher, stolperte aber auf halbem Weg über die kaputte Regenrinne, unter der du lagst. Geschockt beugte ich mich über dich und stellte mit Erleichterung fest, dass du noch lebtest. Als ich dich ins Haus tragen wollte, hörte ich plötzlich ein merkwürdiges Geräusch. Es war das Gartentor, das beim Öffnen immer quietscht. Rasch drehte ich mich um und sah, wie eine zweite Gestalt gerade verschwinden wollte. Ich rief: ‚Halt, bleiben Sie stehen!‘ Er erschrak, wandte sich schnell um, blieb aber mit der Jacke am Gartenzaun hängen. ‚Mist!‘, hörte ich ihn rufen, doch bevor ich zu ihm kommen konnte, war er verschwunden. Zurück blieb nur ein blutbeschmierter Stofffetzen.“

George brachte an jenem Abend den Stofffetzen zum Police Department in der 450 7th St. Oakland. Chief Inspector Jonathan Applebee leitete diesen umgehend an die Spurensicherung weiter. Die darauf folgende DNA-Analyse ergab, dass es sich bei den Tätern um mehrfach vorbestrafte Kriminelle handelte. Sie waren bereits in der Vergangenheit wegen Körperverletzung und Eigentumsdelikten inhaftiert worden. „Danke“, antwortete ich erschöpft und ließ mich in das Kissen fallen. Jetzt war alles vorbei.

Teampreis-Krimi von Lucia Karrer, Klasse 6a, Ernst-Barlach-Realschule der Stiftung Pfennigparade